Kleine Geschichten...


Der kleine Kranich vom Teufelsmoor...

Um es vorweg zu sagen: Soviel Glück im Leben eines Fotografen hat man nur einmal.

Wir hatten in diesem Jahr unser Domizil auf dem Campingplatz Meyer an der Hamme, in unmittelbarer Nähe des Günnemoores bezogen.

Auf unseren Exkursionen mit dem Fahrrad, einem Anhänger und umfangreicher Fotoapparatur kamen wir an allerlei Sehenswürdigkeiten für Naturfotografen vorbei.

So auch an einer Stelle, an der das zuvor abgebaute Moor „wiederbelebt“ werden sollte.

(siehe Googlekarte)

Dort bewegten wir uns auf nicht immer zugelassenem Wege, was aber das Fotografieren keineswegs langweiliger macht. Beim durchqueren einer „Wiederbelebungsbaustelle“ fanden wir mehrere kleine, moorige Tümpel, über die sich auch die „alten Worpsweder Maler“ gefreut hätten! Mit Schilf umwachsen und mittendrin einige kleine Grasinseln.

Es war in dieser Zeit (so um Mitte Mai 2017 herum) schönes Wetter und wir rasteten am Rande eines solchen Tümpels und suchten die Gegend mit dem Fernglas nach interessanten Sachen ab.

Plötzlich rief Britta: „Guck mal dort hinten am Ende des Tümpels läuft ein einzelner Kranich rum“!

Tatsächlich ein einzelner Kranich Ende Mai, da konnte etwas nicht stimmen...

Sozusagen elektrisiert suchten wir die weitere Umgebung mit dem Fernglas nach anderen Tieren (Kranichen) ab.

Wissen muss man dabei: In dieser Jahreszeit mit dem schon recht hohen Gras, ist es ausgesprochen schwierig, überhaupt etwas zu entdecken und Kraniche schon gar nicht.

Dennoch, plötzlich sahen wir - an ganz anderer Stelle - einen weiteren Kranich! Dies brachte unseren fotografischen „Jagdinstinkt“ sofort auf erhöhte Temperatur.

In dieser Jahreszeit, zwei Kraniche, an wieder vernässten Moortümpeln mit Schilf und kleinen Grasinseln...

Solch eine Sensation konnte eigentlich nur bedeuten: Hier wird oder soll gebrütet werden!!

Wir fingen also sofort an nach einem Nest zu suchen!

Trotz stunden- und tagelanger Fernglassuche gelang es uns zunächst nicht ein Nest zu finden. Wir waren schon ziemlich frustriert und wollten uns schon davon abwenden. Aber da wir die beiden Kraniche bei unseren täglichen Besuchen immer wieder mal sahen, gingen wir auch immer wieder dorthin.

Am letzten Besuchstag, wo wir uns festgelegt hatten danach aufzugeben, geschah das Wunder!

Gut versteckt beobachteten wir einen der beiden Kraniche dabei, wie er langsam von Tümpelrand in das moorige Wasser stieg und langsam, ganz, ganz, ganz langsam bewegte er sich zu einer dieser Grasinseln! Nur zum besseren Verständnis: Der Weg vom Tümpelrand bis zur Grasinsel war ungefähr 30 Meter. Der Kranich genötigte für diese Strecke sicher über eine halbe Stunde.

Ständig sah er sich misstrauisch – auch zu uns - um. Sicher war, dass er uns – trotz guten Verstecks – schon gesehen hatte. Aber da wir bis dahin bestimmt schon 80 Mal dort aufgetaucht waren, hatte er sich wahrscheinlich schon etwas gewöhnt.

Vom „Jagdfieber“ ergriffen warteten wir gespannt auf den weiteren Verlauf. Wie schon erwähnt, näherte er sich ganz, ganz langsam der Grasinsel (siehe Bild). Als er dort ankam, lief er ständig auf der kleinen Insel hin und her – bestimmt dauerte dieser Vorgang weitere 15 Minuten – bis er sich dann irgendwann an einer Stelle niedersetzte.

Wunderbar: Wir hatten das Nest entdeckt! Dies wurde dadurch bestätigt, das wir einige Tage später einen Brutwechsel beobachten konnten.

Von nun an, besuchten wir die Kraniche und das Nest täglich. So auch am 17. Juni 2017 an einem zunächst sehr sonnigen Tag.

Wir platzierten uns an der gewohnten Stelle um das Nest zu beobachten. Am diesem Tag gab jedoch eine Besonderheit: Erstmals seit der Entdeckung waren beide Kraniche auf der kleinen Grasinsel und liefen – ganz langsam – dort ständig hin und her. Immer wieder die Köpfe hebend sicherten sie die Insel ab.

Gebannt starrten wir durch unsere Ferngläser. Aber nichts zu sehen. Nach längerer Zeit begannen sich die Kraniche so langsam von der Insel wegzubewegen. Der Rand der Insel war inzwischen durch Wind und Sonne soweit ausgetrocknet, das die Kraniche „festen Boden“ unter den Füssen hatten. Nachdem sie etwa fünf Meter den morastigen Boden betreten hatten, war die Sensation perfekt!!

Erstmals sahen wir den „kleinen Kranich vom Teufelsmoor“.

Nach unserer Einschätzung war er entweder an diesem Tage oder einen Tag zuvor geboren worden. Er war (siehe Fotos) sehr, sehr klein und beim Folgen der Eltern kippte er immer wieder mal um, so unsicher war er noch.

Wir haben uns wahnsinnig gefreut und blieben solange an unserem Platz bis

die Kranicheltern nebst „Kleinem“ im Schilf verschwunden waren.

Ich habe diesem Text eine Bilderreihe zugeordnet, die die Entwicklung dessen, was aufgeschrieben wurde, nachvollziehbar macht! Viel Spaß bei der Betrachtung!

PS: Ein kleines Video (leider in der Bildqualität eher schlechter) ist auch dabei.

 

Der "zutrauliche" Fuchs...

Wir waren mal wieder unterwegs in der Gegend um das Tister Moor. Am Rande desselben radelten wir in strahlendem Sonnenschein und hielten an, damit ich ein Mohnblumenfeld fotografieren konnte. Während dessen schaute sich Britta mit dem Fernglas in der Gegend um und entdeckte plötzlich einen auf einer gemähten Wiese landenden Kranich. Gleichzeitig tauchte ein Fuchs dort auf, was die Szene hochinteressant machte.

Inzwischen hatten wir einen Weg zu dieser Wiese entdeckt und bewegen uns vorsichtig dort hin. Am Gatter angekommen bemerkte uns der Kranich und flog davon.

Der Fuchs hatte sich inzwischen ans Ende der Wiese begeben, also weit weg von uns - ca. 250 m. Die Luft flimmerte und an gute Fotos war nicht zu denken. Er wanderte im Zick Zack hin und her und - das konnten wir sehen - er schnappte sich immer mal wieder eine Maus o.ä.

Nun hatten wir aber das Glück, das der Wind für uns sehr günstig stand. Er kam direkt auf uns zu!

Dies tat erfreulicheweise auch der Fuchs. In großen Bewegungen wanderte er hin und her über die Wiese; kam dabei aber immer näher an uns heran! Unser Blutdruck nahm zu und unsere Linsen waren gebannt auf den Fuchs gerichtet.

Als er ca. auf 50 m heran gekommen war, konnten wir die ersten - nicht unscharfen - Fotos machen, wunderbar! Und noch wunderbarer: Er bemerkte uns weiterhin nicht, da der Wind wirklich gut stand!

Immer näher kam er und war jetzt nur noch ca. 2,50 m von uns entfernt. Dadurch lief er aber auch "aus dem Objektiveinzugsbereich" - 600 mm; und ich mußte mich kurz bewegen...

Dies reichte dem Fuchs um seinen Kopf hochzunehmen und erschrocken - genau wie ich - hochzuschauen, zu stutzen und dann davon zu rennen!

Erst später, auf den Fotos. konnten wir erkennen, das er ca. 3 bis 4 Mäuse zwischen den Zähnen hatte. Ein wunderbares Erlebnis im Leben zweier Naturfotografen...

 



Die Vogelinsel Runde in Norwegen...

Um es vorweg zu sagen: Es war eine wunderbare Idee auf diese Insel zu fahren. Jeder Tier- und Naturfotograf sollte die Insel einmal besucht haben. Ein unwiederbringliches Erlebnis!

Runde ist die nördlichste Insel einer kleinen Inselgruppe in der Nähe von Alesund, dem nächst größeren Ort. Sie ist nur über Tjørvåg und die Inseln Leinøya und Remøya erreichbar und hat einen, direkt am Atlantischen Ozean (hier Europäisches Nordmeer genannt) gelegenen Campingplatz auf dem man mit seinem Fahrzeug nur durch eine Mauer von diesem getrennt ist. Genial!

Runde hat eine riesige Vogelpopulation! Seeadler, Tordalken, Papageitaucher, Trottellummen, Dreizehenmöwen, Eissturmvögel, Basstölpel, Krähenscharben, Gryllteiste und Große Raubmöwen (Skuas genannt) sind dort anzutreffen. Die Papageitaucher sind am meisten vertreten; etwa 100.000 dieser niedlichen Tierchen sind dort jährlich gezählt.

Außerdem – in etwas geringerer Anzahl – sind dort noch Sturmmöwen, Mantelmöwen, Heringsmöwen, Austernfischer und Brandgänse zu besichtigen. Runde ist 4,6 km lang und 3,8 km breit und hat eine Fläche von ca. 6,4 qkm. Die höchste Erhebung beträgt 333 m. Der Campingplatz liegt auf null Meter.

Der auch „Fuglfjell“ genannte, im Westen gelegene Vogelfelsen ist also nur von null auf 333 Meter erreichbar. Vom Domizil auf die Höhe auf der sich die vorgenannte Vogelschar befindet, geht es steil (Skifahrer würden von einer „Pechschwarzen Piste“ sprechen) nach oben. Mit dem keineswegs leichten Fotogepäck also durchaus eine Herausforderung!

Hat man diese jedoch gemeistert, wird man mit einer wahnsinnig beeindruckenden Aussicht belohnt! Auf der Höhe angekommen, fällt der „Fuglfjell“ nahezu senkrecht in den Ozean hinein. Nicht wenige Menschen trauen sich nur liegend hinab ins Meer zu sehen.

Aber für den „furchtlosen Tierfotografen“ eröffnet sich eine nahezu unwirkliche Vogelwelt. Wir sind mehrmals auf den Felsen gestiegen (obwohl meine Hüfte da schon ziemlich hin war, wie ich später erfahren habe) und haben dort fünf Tage wie „der Teufel“ fotografiert. Mit den nicht brauchbaren waren es mehrere Tausend Bilder.

Besonders beeindruckend war die Seefahrt mit „Aquila“! Mit 10 Personen, alle mit mehr oder weniger großem Fotoequipment ausgerüstet, ging die Fahrt vom Hafen Runde an die Westküste der Insel. Wohlgemerkt es ist ein Ozean, denn als wir den sicheren Hafen verließen, begann ein Wellengang, der so stark war, das man bei bestimmten Wellen nicht einmal mehr die Insel selbst sah! Aber alle haben sich durchgebissen...

Bis auf wenige Meter ist der Skipper an die Steilwand heran gefahren und einmal sogar in eine Höhle, in der sich die sehr seltenen Dreizehenmöwen befanden. Basstölpel flogen in weniger als 10 Meter Höhe über uns hinweg... Wie gesagt: Ein unwiederbringliches Erlebnis!

Durch den starken Seegang war es nicht einfach mit einem „dicken Tele“ die Vögel einzufangen, aber ein paar sind ganz gut gelungen!

Eine Auswahl der Bilder befindet sich in diesem link.

Zum Abschluss noch einmal der Hinweis: Jeder Vogelliebhaber sollte diese Insel gesehen haben!